Trend zur Gemeinschaftspraxis.
Darüber sollten wir reden.

Interview mit Dr. Markus B. Keiner, Dr. Anja Melina Heiß (Kirchberg-Klinik, Andernach) und Komet Verkaufsleiter Volker Tasche.

Vom Solisten zum Orchester? Der prozentuale Anteil angestellter Zahnärztinnen und Zahnärzte steigt deutlich. Dr. Markus B. Keiner, Dr. Anja Melina Heiß (Kirchberg-Klinik, Andernach) und Komet Verkaufsleiter Volker Tasche kommentieren den aktuellen Trend.

Herr Dr. Keiner, Sie gründeten die Kirchbergklinik und sind seit 2016 zum Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) zugelassen. Was waren Ihre Beweggründe für eine vergrößerte Praxisstruktur und die Anstellung von Kollegen?

Dr. Keiner:
Es war mein Traum von einer Integrierten Versorgung. Das bedeutet Planungssicherheit und Kompetenz in allen Fachdisziplinen. An der Kirchbergklinik sind wir insgesamt zehn Zahnärzte: sieben Angestellte, ein Assistenzarzt und Dr. Heiß und ich als Partner des MVZs. Gepaart mit den räumlichen und technischen Voraussetzungen behandeln wir auch komplexe zahnmedizinische Fälle unter einem Dach. Patienten haben bei uns ihren persönlichen Stammzahnarzt. Ihr Behandlungsplan ist das Resultat der Fachmeinung aller Kollegen. Etwaige spezielle Maßnahmen (z.B. Implantationen) werden von unseren hausinternen Spezialisten vorgenommen. Unsere Wertschöpfungskette läuft also von A-Z, da muss kein Patient eine externe Adresse aufsuchen. Solch eine Kompetenz bekommt man in einer Einzelpraxis nicht umgesetzt. Doch das war mein Anspruch.

Welche Faktoren führen Ihrer Meinung nach zum Anstieg zahnärztlicher Gemeinschaftsformen?

Volker Tasche:
Ich glaube, der Hauptgrund liegt in der Work/Life-Balance der Generation Y. Ihre zentralen Forderungen sind mehr Freiräume, die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung sowie mehr Zeit für Familie und Freizeit. Sie möchten dem Beruf nicht mehr alles unterordnen. Gleichzeitig soll ihr Job sinnerfüllt sein. Angestellte(r) einer Praxisgemeinschaft zu sein, bringt diese Wünsche unter einen Hut. Hohe Investitionsvolumen fallen weg, man ist Teil eines breiten Leistungsspektrums, einer gemeinsamen Praxisverwaltung und zieht Nutzen aus Räumlichkeiten, Personal, modernen Geräten usw. Es wird auch in 20 Jahren noch Einzelpraxen geben, doch sind nicht mehr alle jungen Zahnärzte und -ärztinnen zur Übernahme eines solchen, damit verbundenen Stundenpensum bereit. Verkürzt gesagt: Die Generation Y will nicht täglich bis 20.00 Uhr bohren, um die Einzelpraxis über die nächsten 30 Jahre zu finanzieren.

Dr. Heiß:
Durch mehr Zahnärzte kam es bei uns zur Aufspreizung der Arbeitszeiten. Jeder hat seine Dienstschicht, wobei wir persönliche Wünsche berücksichtigen. Das bedeutet mehr Flexibilität für uns Zahnärzte und erweiterte Öffnungszeiten für die Patienten.

Volker Tasche:
Den 24/7-Service leben wir auch bei Komet. Wem nachts einfällt, er bräuchte vielleicht doch eine Endo-Fachberatung für seine Praxis, der kann dies direkt online eingeben. Wir kommen jedem Wunsch nach, so schnell es geht.

Dr. Keiner:
Erweiterte Öffnungszeiten ist einer von vielen Punkten, warum man als Kompetenz-Zentrum eine viel bessere Ausgangslage im Wettbewerb um Patienten hat. Die Außendarstellung ist eine ganz andere! Das gilt übrigens auch für die Zusammenarbeit mit Banken. Die Kriterien für eine Kreditvergabe sind ja sehr strikt geworden. Ich darf sagen: Unsere Finanzierungsmöglichkeiten sind über die Jahre gewachsen, weil uns mit den Banken inzwischen ein partnerschaftliches Verhältnis verbindet. Der Betreiber einer Einzelpraxis, besonders ein Berufsanfänger, ist da einem sehr viel höheren Investitionsrisiko ausgesetzt. In einem Angestellten-Verhältnis umschifft er das ganz elegant. Er startet direkt mit dem Geld-Verdienen, ohne weitere finanzielle Verpflichtungen. Außerdem hat er keinen Ballast der Praxisführung.

Dr. Heiß:
Nicht zu vergessen ist der steigende Prozentsatz an Zahnärztinnen, die als Angestellte den Job viel besser mit ihrer Familie koordinieren können.

Bei Ihnen war die Liberalisierung des Berufsrechtes der Wegbereiter zur MVZ-Zulassung. Welche Vorteile haben sich daraus ergeben?

Dr. Keiner:
Wir waren 2016 die zweiten in Rheinland-Pfalz und haben uns als GbR formiert, um die Freiberuflichkeit unserer Mitarbeiter zu erhalten. Nur so können wir die Vielfältigkeit der Spezialisierung mit einer klaren Führungsstruktur überein bringen.

Dr. Heiß:
Allein der Titel als „Zentrum“ hat bei uns schon als Magnet gewirkt. Die Patienten erwarten hinter dem Begriff genau die vernetzenden Effekte, die Dr. Keiner eingangs mit Integrierter Versorgung beschrieben hat. Sie möchten die Verantwortlichkeit für ihre zahnmedizinische Versorgung bei uns gebündelt wissen.

Volker Tasche:
„Bündeln“ ist das Schlagwort. Denn dem Zahnarzt geht es ja genauso. Deshalb macht unser Angebot „Alles aus einer Hand“ insbesondere bei Gemeinschaftspraxen Sinn. Anstatt versprengter Aufträge: Vollsortiment mit Systemcharakter. Anstatt Durcheinander: eine Adresse. Es ist das gleiche Prinzip.

Herr Tasche, wie geht Komet Dental als vornehmlicher Hersteller rotierender Instrumente sonst noch auf die Bedürfnisse von Gemeinschaftspraxen ein?

Volker Tasche:
Was haben Herstellung und Vertrieb eines Commodity-Verbrauchmaterials mit dem mind-mapping junger Zahnärzte zu tun? Ziemlich viel: Da ist die Sicherheit, die in der Qualität und Sterilität unserer Produkte drin steckt. Und da ist unser extrem hoher Servicegrad: persönliche Fach- und spezielle Endo-Berater, der 24 Stunden Kometstore mit eigenem Digidental-Blog, kein Produkt ohne Informationsmaterialien, Anwendungsbeispiele, Videos, Tipps zum Hygienemanagement etc. Wer heute bestellt, erhält die Komplettlieferung binnen 24 Stunden. Der Zahnarzt erlebt uns als Problemlöser.

Was bedeuten Gemeinschaftspraxen eigentlich für die Spezialisierung?

Dr. Keiner:
Sie haben darauf einen immensen Einfluss. Man hat ja „die Füße frei“ dafür! In einer Einzelpraxis muss sich ein Zahnarzt wirklich jeder Basisversorgung widmen, ja ist gefesselt. Anstatt dessen würde er vielleicht lieber auf HighEnd-Niveau arbeiten bzw. sein Talent in einer Fachdisziplin ausleben. Niemand kann Alles machen und sich gleichzeitig spezialisieren.

Dr. Heiß:
Nehmen wir als Beispiel mein Fachgebiet, die Oralchirurgie: Die Anzahl der Menschen, die sich als „Angstpatienten“ definieren, ist in den letzten Jahren immens gestiegen. Wir besitzen eine eigene Schmerzambulanz. Der Kollege widmet sich dort ausschließlich der Sedierung – und ich kann mich voll und ganz auf die OP konzentrieren.

Volker Tasche:
Komet bietet neben dem Standard- auch Spezialinstrumentarium an. Die Endodontie hat sich sogar zu einem eigenen Produktfeld entwickelt. Es gibt für nahezu jede klinische Situation eine Lösung, von der Präparation des Pulpenkavums bis zur Obturation. Deshalb zählen zum Komet Service u.a. sieben Endo-Fachberater. Oftmals sind Spezialisten sogar der Motor für Komet-Neuentwicklungen.

Welche Nachteile können mit einer zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis verbunden sein?

Volker Tasche:
Es gibt diesen Spruch „Dentisten sind Solisten“. Man muss zueinander passen – menschlich wie in der gemeinsamen Behandlungsphilosophie. Wenn der eine z.B. gerne mit dem Torpedo präpariert, der andere aber die zylindrische Form präferiert, wird meist ein Nenner gefunden werden müssen.

Dr. Keiner:
Klar, darauf achten wir natürlich in unserer Personalpolitik. Die zwischenmenschliche Chemie und die Qualifikation müssen stimmen. Wir haben sogar zwei ehemalige Praxisinhaber in unserem Team, der eine 70, der andere 59 Jahre alt. Die bringen durch ihre Erfahrung und Menschenkenntnis wertvolle Qualitäten mit.

Dr. Heiß:
Vielleicht wartet der Leser jetzt darauf, dass wir das Gerücht untermauern, dass Angestellte nicht so gewissenhaft arbeiten wie Selbstständige. Es gibt immer Zahnärzte mit unterschiedlicher Qualifikation und Erfahrung. Das ist auch bei uns so. Aber gerade weil wir so viele sind, können wir die Patienten gemäß den zahnmedizinischen Anforderungen viel besser verteilen. Dann steigt die Qualität der Behandlung sogar!

Dr. Keiner:
Man muss wissen: In einer Gemeinschaftspraxis wachsen die Verwaltungsstrukturen. Das bedeutet steigende Kosten. Auch die Vertragsstrukturen werden komplizierter.

Dr. Heiß:
Als negativ wird es manchmal empfunden, dass Patienten Behandler-Wechsel in Kauf nehmen müssen, besonders wenn Assistenten ausgebildet werden. Manche schreckt auch die Größe unseres Hauses ab. Sie haben Bedenken, dass ihre Behandlung durch viele Hände verwässert. Aber das Gegenteil ist der Fall.

Andernach, der Sitz der Kirchbergklinik, ist kein Ballungsraum. Haben Gemeinschaftspraxen auf dem Land die gleiche Chance wie in der Stadt?

Dr. Keiner:
Andernach ist nicht der Nabel der Welt. Bei uns gehen viele Bewerbungen ein aufgrund unseres MVZ-Status und unserer außergewöhnlich großen und guten Praxisstruktur. Die Absender stammen aus der Region oder aber außerhalb der EU-Grenzen. Personalpolitik ist in unserer ländlichen Lage also nicht ganz einfach. Auf jeden Fall schwieriger als in attraktiven Großstädten.

Volker Tasche:
Ja, der Sog in der Stadt ist sicherlich größer als auf dem Land. Aber der Trend zur Anstellung ist bundesweit klar erkennbar.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kirchberg-Klinik
Medizinisches Versorgungszentrum
Dr. Markus B. Keiner, Dr. Anja Melina Heiß und Kollegen
Rennweg 68 – 56626 Andernach
Tel: 02632 94680 – Fax 02632 946817
info@zahnklinik-andernach.de
http://www.zahnklinik-andernach.de

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